Kalebassenkunst

Die Kalebasse - Kulturpflanze des Jahres 2002

Kalebassen gehören zur Familie der Kürbisse ( Cucurbitae ). Diese kennt man hierzulande seit einigen Jahren in Form von Suppenkürbissen oder Zierkürbissen. Besonders beliebt sind die vielfältigen bunten Farben und die lustigen Formen der Zierkürbisse, die das Auge erfreuen. Aus Speisekürbissen kann man leckere Suppen und Beilagen herstellen und auch eingemacht in Stücken sind sie sehr schmackhaft.

Kalebassen - Flaschenkürbisse - jedoch, kann man nicht essen und haben noch nicht einmal eine schöne Farbe. Ja, so fragt man sich, was haben sie denn dann???

Antwort: Eine schöne Form!

Diese Form war es, die schon seit sehr langer Zeit die Nomadenvölker Afrikas dazu verleitet hat, diese "Gurken" als Gefässe zu benutzen. Die Kalebassen, die im warmen Klima besonders gut gedeihen, wurden getrocknet, ausgehöhlt und als Wasserflasche oder Griesbehälter im Haushalt verwendet. In der Sahelzone Nordafrikas ist die Kalebasse als ein uraltes Kulturgefäss bekannt und wird schon bei den alten Ägyptern in deren Hyroglyphen erwähnt und beschrieben und gezeichnet. Im alten Ägypten war die Kalebasse sogar als ein Handelsmaß bekannt, genauso wie bei uns die alten Gewichtsmasse "Scheffel" oder "Lot".
Die Kalebasse ist aus der afrikanischen Kunst nicht wegzudenken. Sie war schon seit jeher als Kunstobjekt beliebt und hat eine lange Tradition in Afrika. Wunderschöne Ornamente und kalligraphische Bemalungen sind auf ihrer glatten Schale schon verewigt worden. Sie ist aufgrund der einmaligen Beschaffenheit ihrer Schale sehr leicht zu bearbeiten. Fast wie Balsaholz, nur etwas mürber, aber ebenso formstabil, lassen sich beliebig viele Öffnungen in ihre Schale ritzen oder bohren. So entstehen klassische Masken, Reliefs und Skulpturen.

Der V.E.N., der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt, hat eine sehr gute und informative Webseite über die Kalebasse gemacht! Hier der link:

http://www.genres.de/infos/kalebasse/

Die Biotop - AG hat sich nun dieser besonderen Pflanze angenommen. Die Herausforderung, aus Gurken Kunstwerke herzustellen war besonders reizvoll, und so ging man ans Werk. Zuerst wurden auf dem heimischen Frischmarkt alle Kalebassen aufgekauft, die man entdecken konnte. Diese wurden dann warm und luftig in der Schule gelagert, bis sie nach ca. drei Monaten Trockenzeit soweit waren, dass sie weiter bearbeitet werden konnten. Jedes AG-Mitglied hatte seine individuelle, einmalige Kalebasse, die er nun bearbeiten durfte und zu seinem eigenen persönlichen Kunstwerk ausgestalten konnte. Im Folgenden ein paar Bildeindrücke von der Arbeit, die sehr willkommen war in der Winterszeit, wo man draussen sowieso nur wenig machen konnte.

kalebasse1

1. Ausgewachsene Kalebassen werden gelagert und getrocknet bis sie leicht sind und der Samen in der Schale klappert ( 1. Bsp. für fächerübergreifenden Unterricht:: Rhythmusinstrumente der Sahara! )

2. Die äußere Schale der Kalebasse, durch Schimmelpilze schwarzfleckig geworden, wird mit Sandpapier abgeschliffen, bis sie schön einheitlich braun aussieht. Grundierung mit Grundierfarbe für Holz, 2 Lagen

kalebasse2
3. Aufzeichnen der Lampenöffnungen und -verzierungen mit Bleistift. Ausschneiden der Öffnungen mit kleiner Stichsäge
(2. Bsp. für fächerübergreifenden Unterricht: Kunst: Skulpturen und Plastiken aus leicht zu bearbeitenden Materialien )
4. Entkernen der Kalebasse, Reinigen der Innenfläche, Sammeln der Samen für die nächste Anzucht im Frühjahr. Bemalen der Lampe mit Farben und Motiven nach Geschmack ( 3. Bsp. für fächerübergreifenden Unterricht: Kunst: Malen mit Acrylfarben auf plastischen Körpern )
5. Entfernen des Stils, Kabellochbohrung an der Spitze des Kalebassenhalses, Einsetzen von Fassung und Birne, Verkabelung ( 4. Bsp.fächerübergreifenden Unterrichtes: Technik: Einfache Verkabelung mit stromführenden Phasen ) . FERTIG!!! Brennt! Wie man sieht....
Hier noch zwei Bilder von den fleissigen AG-Teilnehmern bei der Bearbeitung der Kalebassen. Der mühsamste Schritt ist der erste: Das Reinigen und Abschleifen der verschimmelten Aussenhaut. Hier muss man sehr sorgfältig vorgehen, sonst hält die Farbe hinterher nicht auf dem Untergrund. Am meisten Spass macht das Bohren der Öffnungen mit Bohrer und Säge, sowie das Bemalen. Übrigens: Nicht nur Lampen können das Ergebnis sein, sondern auch Räuchermännchen, Vasen ( Stil unten! ), lustige Männchen, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Hier ein paar Ergebnisse unserer Arbeit:
Linke Seite (von links):
Die Portugiesin
Der kleine Matrose
rechte Seite (von links):
Johnny B. Good
Mondauge

 

Im Frühjahr werden die Samen der Kalebassen vorgezogen und anschließend im Freiland ab Mai an einem Spalier hochgezogen. Die Kalebassen sind sehr empfindlich gegen Schneckenfrass, die nächste Herausforderung für die Biotop-AG: Bauen einer Schneckenfalle mit Solarstromunterstützung! Kräftig gießen und viel Sonne (hoffentlich!) im Sommer, ernten spät im Herbst vor dem ersten Frost. Dann wieder trockene und warme Lagerung bis sich das Fruchtfleisch der Kalebasse aufgelöst hat und nur noch die harte Schale übrig bleibt für neue Lampen!

 

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